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Stil und Sprache

Was sollte ich vermeiden? - (Lilly Leindy)

Vermeide Schachtelsätze, indirekt Ausgedrücktes oder unglückliche Formulierungen. Platte Charaktere, unaufgeklärte Rätsel und aufgeworfene Fragen, die nicht gelöst werden, haben ebenso nichts in einem guten Buch zu suchen. Wenn du ein Kapitel geschrieben hast, lies es dir noch einmal durch und versuche, es durch die Augen des Lesers zu sehen. Dass in Kinderbüchern keine komplizierten Fremdwörter verwendet werden und man in einer Geschichte, die im siebzehnten Jahrhundert spielt keine neumodischen Begriffe benutzt, sollte klar sein. Wenn du dir bei einer Sache nicht sicher bist, erkundige dich nach der Richtigkeit. Solche und ähnliche Forschungen wirst du bei Wissenschaftsbüchern und auch bei Büchern von anderem Genre anstellen müssen.

 

Die Erzählform oder Deutschunterricht bringt doch was - (A.R.T.)

Es gibt:
1. den allwissenden Erzähler
2. den personalen Erzähler
3. den Ich-Erzähler

Der allwissende Erzähler kommt in der Geschichte nicht vor, er erzählt als Außenstehender, als Betrachter, und er weiß alles. Zum Beispiel weiß er, ob die Hauptfigur eine Bombe mit sich herumträgt – weder die Hauptfigur, noch andere Personen sind sich dessen bewusst.
Ab und zu bewertet er das Geschehen. Er weiß alles über die Figuren, kennt ihre Gedanken und kann mehrere Handlungen an auch kilometerweit entfernten Orten gleichzeitig betrachten.
Er ist in der dritten Person Singular er/sie geschrieben. Für Romane ist er weniger geeignet, da man sich bei dieser Erzählform schlecht mit den Charakteren identifizieren kann.

Der personale Erzähler kommt auch nicht in der Geschichte vor, allerdings erzählt er aus der Sichtweise einer bestimmten Person, meist der Hauptfigur (andere Fälle treten sehr selten auf und sind ungewöhnlich). Es kann im ganzen Buch über der selbe Charakter sein, aber die Sichtweise kann sich auch in einer Gruppe von Figuren abwechseln. Wenn das nicht zu der Geschichte passt, sollte man diese Technik nicht anwenden.
Auch hier wird in der dritten Person er/sie erzählt. Der Erzähler wird vom Leser nicht wahrgenommen.
Ein Nachteil ist wohl, dass der Erzähler nur weiß, was die Figur weiß. Darum wird häufig eine Mischung aus dem allgemeinen und dem personalen Erzähler verwendet.

Der Ich-Erzähler ist Bestandteil der Geschichte, er ist eins mit dem Charakter, aus dessen Sichtweise die Erzählung stattfindet. Dieser Charakter mus Auch hier gibt es einen Einblick in die Gedanken der Figur, aus deren Sicht erzählt wird, aber nicht in die anderer Personen. Außerdem muss in jeder Handlung jene Figur vorkommen. Hier ist es nicht möglich, die Erzählform mit der des allwissenden Erzählers zu vermischen.
Die Art, in der erzählt wird, muss dabei wirklich darauf beschränkt sein, was die Person denkt. Wenn nun diese Person denkt, ChXY sei eingebildet und arrogant, dann sagt sie nicht „Ich glaube, dass...“, sondern „Charakter XY ist...“, auch, wenn Charakter XY weder eingebildet noch arrogant ist.

Am häufigsten wird bei Romanen der personale Erzähler verwendet.

 

Anredeform - (Tenschert)

Prinzipiell ist alles möglich. Aber alles bis auf die 3. Person sollte nur in Ausnahmefällen verwendet werden.

Ich-Form/1. Person: Empfehlenswert nur, wenn es wirklich nicht zu vermeiden ist. Viele Verlage verlangen von einem Autoren, dass er diese Form nicht verwendet.
Du-Form/2.Person: Kommt praktisch nicht vor. Sollte man als Jungautor am besten gar nicht dran denken.
Er-Form/3.Person: Die gängige Anredeform mit der man eigentlich nie falsch liegt. Um trotzdem einen "Einblick" und eine emotionale Bindung des Lesers mit einem/mehreren Charakteren zu gewähren, bieten sich einige "Tricks" an:
- "Stream of Consciousness" (Bewusstseinsstrom): In wirrer Zusammenstellung werden Gedanken(fetzen), Gefühle und Vorstellungen des Charakteres zusammengeschrieben.
- "Innerer Monolog": Der Charakter spricht einfach seine Gedanken, Gefühle und Vorstellungen aus. Das kann in einem Absatz oder wie wörtliche Rede realisiert werden.
- "Reported thought" (Berichtete Gedanken): Es werden die Gedanken des Charakteres einfach nur "berichtet". Das ganze passiert eher unterschwellig, ein "er/sie dachte" fällt dabei weg.

 

Typische Fehler vermeiden - (A.R.T.)

1) Die Namen der Charaktere sollten sich nie ähnlich sein. Heißt z.B. der Übeltäter John und der Held Josh, kann es passieren, dass der Leser, der von dem Manuskript besonders gefesselt ist, John und Josh verwechselt und so die gesamte Handlung durcheinander bringt. Dann freut er sich, dass der Held gesiegt hat, obwohl es umgekehrt ist, und versteht nicht, warum die Heldin schluchzend neben dem Übeltäter hockt. *g*
2) Es passiert nicht selten, dass die Perspektive „verrutscht“. Erzählt man zum Beispiel gerade aus der Sichtweise des Königs XY, dann sollte man nicht zwischendurch einen Satz wie „seine Ohren waren so groß wie die eines Elefanten“ einfließen lassen, denn der König kann sich selbst nicht so sehen – es sei denn, man schreibt bspw.: „Der König war es gewohnt, dass seine Untertanen ihm zuerst auf die Ohren starrten – sie waren so groß wie die eines Elefanten.“ Wenn es mit den Gedanken, der Sichtweise des Königs zu tun hat und er sich dessen bewusst ist, kann man es einbauen.
3) Lange „Bandwurmsätze“ wie „Er zog nach langem Hin und Her mit seiner Tochter, die ihn als peinlich empfand, und Konflikten mit seiner Frau, die erst recht nicht mit ihm ausgehen wollte, wenn er solch ein ‚scheußliches Ungetüm’ trug, eine andere Krawatte an“ empfindet der Leser als störend. Stattdessen könnte man den Satz wie folgt umstellen: „Er zog nach langem Hin und Her mit seiner Tochter und seiner Frau eine andere Krawatte an. Seine Tochter empfand ihn als peinlich, und seine Frau wollte erst recht nicht mit ihm ausgehen, wenn er solch ein ‚scheußliches Ungetüm’ trug.“

 

Weitere Stiltipps:

1. Zu lange Sätze und zu viele Nebensätze stören den Leser. (A.R.T.)

2. Auch zu kurze, abgehackte Sätze sind ziemlich unangenehm. (A.R.T.)

3. Benutze anstatt von und ab und zu auch aber, dennoch, doch, jedoch, sowie, wodurch etc. (A.R.T.)

4. Achte darauf, dass jeder Charakter seinen eigenen Stil hat. Verschiedene Vharaktere müssen sich in der wörtlichen Rede unterscheiden... (dunkelbunt)

5. Vermeide es, in epischer Breite bis ins letzte Eck alles zu erklären. das nimmt der Leser übel. Erstens denkt er gern selber, zweitens schmeckt vorgekautes niemandem und drittens mögen wir die Stellen, an denen angedeutet wird, an denen etwas offengelassen wird besonders. (Maija)

6. Versuche, deine wörtlichen Reden nicht zu gestellt wirken zu lassen! Besonders junge Protagonisten sollten durchaus in flippiger Sprache reden (wenn es natürlich angebracht ist *räusper*... ein adeliger Junge wird trotzdem anders sprechen als ein Bauernmädchen usw.) und sich von den Erwachsenen in ihrem Ausdruck unterscheiden. Auch müssen die Sätze nicht immer von Anfang bis Ende ausformuliert sein. Füge Unterbrechungen ein, lasse deine Figur sich selbst mitten in Reden stoppen etc... (Caro)

7. Zur wörtlichen Rede:
Versuche einfach, so zu reden wie es dein Charakter tun würde, und schreib es haargenau so auf. Das kommt natürlich auf dein "Genre" drauf an, ob du "ähs" etc. auch mitaufschreibst. Grundsätzlich ist dies in einem mordernen Roman aber möglich. (Tenschert)

8. Gebe dich nicht mit einem Satz, Absatz oder Kapitel zufrieden, das du relativ okay oder sogar schlecht findest. Überarbeite es solange, bis es dir hundertprozentig gefällt. Schreibe es gegebenenfalls neu. (Lilly Leindy)

9. Kurze, häufig auftretende Ausrufe wie oh! ah! ui! usw. sind in einem Buch - finde ich - ziemlich unangebracht. (Monalisa)

10.Rote Tomaten wuchsen auf grünen Pflanzen, die aus dem Boden sprossen.“ Vollkommen unnötig, das weiß der Leser. (A.R.T.)

11. „Die Blumen von Frau Gelb“ => besser ist Genitiv: „Frau Gelbs Blumen“. (A.R.T.)

12. In Sätzen wie „Das Schreiben ist eine Kunst“ sind Hauptwörter, die aus Verben entstanden sind („das Schreiben“), besser als die Verben.
In Sätzen wie „Das Unartigsein dieses Kindes führt zu einem Ärgernis meinerseits“ ist es lästig. Besser wäre „Es ist ärgerlich, dass dieses Kind so unartig ist.“ (A.R.T.)

13. Passe den Stil der Art deines Textes oder der Zeit, in der dein Text spielt, an. Wörter wie „uncool“ passen nicht in einen Text des 17. Jahrhunderts.
Dagegen zu halbwegs aktuellen Texten passt es besser, wenn die wörtliche Rede anstatt von „Ich schrieb heute eine Mathearbeit“ „Ich habe heute eine Mathearbeit geschrieben“ lautet, also im Perfekt steht. Die Leute reden ja heute auch eher so.
[Du sagst bestimmt nicht: „Ich verhaute heute Morgen die Mathearbeit“, oder?]
Bei Kindergeschichten passen Fremdwörter („unkonventionell“, „Bruttosozialprodukt“ ) genauso wenig wie zu eher an Jugendliche oder Erwachsene gerichteten Texten eine sehr einfache Schreibweise gehört. 
 

 

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