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"Das Drachentor" von Jenny-Mai Nuyen

 

"Das Drachentor"

von Jenny-Mai Nuyen

(Rezension von A.R.T.)

 

Immer mehr Elfen verstecken sich in Wäldern, um nicht die Grausamkeit der Menschen ertragen zu müssen. Doch in dem kleinen, zwischen Haradon und Myrdhan gelegenen Königreich Awrahell kämpfen sie noch immer um ihr ursprünglich eigenes Land. Auch die Drachen sind nicht mehr das, was sie einmal waren – sie werden gejagt und eingefangen, um Kriegsdienste abzuliefern. Den Menschen ist nicht klar, dass sie somit das Aussterben der Tiere bezwecken. Doch auch jene, die die anderen Rassen ausrotten, müssen leiden: Zwischen den menschlichen Haradonen und Myrdhanern herrscht ein erbitterter Krieg, der ungeahnte Folgen für die Zukunft haben wird.

Jenny-Mai Nuyen lässt den Leser den Konflikt zwischen den verschiedenen Völkern aus allen Blickwinkeln betrachten: Zuerst aus dem eines myrdhanischen Jungen namens Alasar. Jener wartet während der endgültigen Schlacht auf die Rückkehr seiner Geschwister und Eltern, die in den Krieg gezogen sind. Als ihm bewusst wird, dass die Myrdhaner die Schlacht verloren haben, flüchtet er mit den nicht in die Schlacht gezogenen Bewohnern seines Dorfes und seiner kleinen Schwester Magaura in die Berge, bevor die Haradonen alles zerstören.

Dort ist das Überleben eine Herausforderung, der nicht alle gewachsen sind. Schon bald bildet sich der erst elfjährige Alasar als Führer der Gruppe heraus, die er „Höhlenkinder“ nennt und die mit jedem geretteten Menschen aus einem der in Schutt und Asche gelegten Dörfer größer wird. Er wird älter, die Gier nach Rache wächst in ihm heran. Langsam bildet er einen Plan in seinen Gedanken, der mit den Jahren wächst und gedeiht.

Als zweites kann der Leser in die Rolle der awrahellischen Prinzessin Ardhes schlüpfen, die halb Mensch, halb Elfin ist. Das liegt an einem Pakt zwischen den Menschen und den Elfen, die mit einer solchen Prinzessin beide Völker zufriedenstellen wollen. Doch Ardhes’ Mutter, eine gebürtige Haradonin, hasst Elfen über alles. Die Hochzeit mit dem Elfen Octaris erfolgte nur der Macht willen, ihre wahre Absicht liegt darin, die Elfen endgültig zu vertreiben.

Als Ardhes ihre Mutter heimlich mit ihrem Geliebten, dem haradonischen König, beobachtet, beschließt sie, sich nach ihrem Vater zu richten. Hierdurch wird ihr eine Prophezeiung offenbart, die ihr Leben verändern wird...

Als junger Haradone ist Revyn die dritte wichtige Figur des Buches. Seine Vergangenheit hat Spuren hinterlassen. Er hasst sich selbst, er hasst seinen Vater, der ihn und seine Mutter zurückließ, und er will auf keinen Fall in dessen Fußstapfen treten. Doch genau das scheint zu erfolgen, als ihm angeboten wird, sich der Kriegstruppe anzuschließen. Er arbeitet dort vorerst als Stallknecht für die Drachenfänger. Doch dann schafft er es, einen wild gewordenen Drachen ganz ohne Leiden zu zähmen. Kurz darauf erfolgt die Ausbildung zum Drachenkrieger.

Als die Elfe Yelanah versucht, die Drachen der Krieger zu befreien, wird sie gefangen genommen. Revyn hilft ihr, sich zu befreien, doch das wird Folgen haben, also beschließt er, mit der Elfe zu flüchten.

So hat die Autorin dem Leser nicht nur einen Einblick in alle vier Völker gewährt, sondern auch das Grundgeflecht der Geschichte aufgezeigt. Denn als diese Charaktere nun zusammentreffen, entfacht ein Moment des Krieges, der ganze Völker in den Ruin treiben und das Schicksal der Welt für immer verändern wird...

Jenny-Mai Nuyen ist ein herausragendes Talent, und dies gilt nicht nur, was die Sparte der Jungautoren angeht. Sie übertrifft mit ihrem gefühlvollen und ausdrucksstarken Schreibstil auch so manche erfahrene Autoren des Bereichs Fantasy. Ihre Charaktere sind nicht sehr lebendig und leidenschaftlich. Dass ihr Ehrgeiz erhalten blieb, selbst, als die Verlagssuche noch so erfolglos schien, macht sie zu einem wichtigen Vorbild für andere Jungautoren.

 

Für Jenny-Mai Nuyens „Das Drachentor“ vergeben die Stifthelden volle fünf Stracciatellafrösche!

 

(Rezension von A.R.T.)

 

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