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"Freedom Writers" von den Freedom Writers mit Erin Gruwell

 

"Freedom Writers"

von den Freedom Writers mit Erin Gruwell

(Rezension von Caro)

 

Ich habe einen Traum, dass… sich kleine schwarze Jungen und Mädchen und kleine weiße Jungen und Mädchen als Schwestern und Brüder an den Händen halten können.

Das waren die Worte Martin Luther Kings, als er 1963 vor mehreren tausend Menschen am Fuß des Lincoln Memorials in Washington D.C. sprach. Fünfunddreißig Jahre später geschieht ein kleines Wunder: 150 Schüler unterschiedlicher Abstammung lassen sich von einer jungen Lehrerin an einer High School im Westen Amerikas die Augen gegen Intoleranz und Rassismus öffnen. Gemeinsam erfüllen sie Martin Luther Kings Traum von der großen Freiheit, indem sie ihre Gedanken und Gefühle zu Papier zu bringen und durch das Schreiben lernen, auf einander zuzugehen.

Die junge Lehrerin Erin Gruwell kommt nach ihrer Referendariatszeit an die Wilson High School nach Long Beach in Kalifornien. Obwohl die Schule in einem angesehenen Stadtteil liegt, nimmt sie auch Teenager aus den Ghetto-Vierteln L.A.´ s auf. Diese haben ihre Kindheit zumeist unter kriegsähnlichen Zuständen verbracht, die von Straßenschlachten, Morden, häuslicher Gewalt und sexuellen Übergriffen gezeichnet waren. Erin Gruwell sieht sich mit einer Klasse konfrontiert, welche die "nichterziehbaren Risikoschüler" beherbergt und in der es mehrmals täglich zu Gewalt zwischen Latinos, Asiaten, Afro- Amerikanern und Weißen kommt. Als die junge Lehrerin die Herauforderung annimmt und sich auf die Schüler einlässt, gelingt es ihr allmählich, das Vertrauen der Teenager zu gewinnen. Es wird der Entschluss gefasst, den Bandenkrieg in den Straßen von L.A. und die schlimmen häuslichen Zustände in Tagebuchform zu dokumentieren. Durch Besuche an verschiedenen Museen und vor allem der Lektüre von Kriegstagebüchern wie der Geschichte Anne Franks lernen die Schüler, ihre Unterschiedlichkeit zu akzeptieren und sich zum ersten Mal als Gemeinschaft zu sehen. Das Umdenken in der Klasse bleibt nicht ohne Folgen: schnell wird die neu gegründete Gruppe der "Freedom Writers" von den Medien entdeckt. Zeitungen und Fernsehen berichten über den Besuch der junge Autorin Zlata Filipovic, einem Kriegskind aus Bosnien, das die Geschehnisse in seinem Land mit dem Tagebuch festgehalten hat und das den Freedom Writers als Vorbild für die Auseinandersetzung mit ihrem "eigenen Krieg" diente. Was allen Freedom Writers und ehemaligen Schülern der Risiko-Klasse gemeinsam ist, sind die neu entdeckte Liebe zum Schreiben und die Erkenntnis, dass ein jeder von ihnen mit seiner Stimme die Macht hat, gegen rassistischen Hass, Vorurteile und Intoleranz vorzugehen.

In 142 anonymen Tagebuchberichten werden die Zustände in den Ghettos Los Angeles´ dargestellt. Nachdenklich und emotional berichten die Teenager von gewalttätigen Eltern, Drogendealern, auf offener Straße erschossenen Geschwistern und Freunden und Vergewaltigungen. Die Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit. Sie ereignete sich in den Jahren 1994-1998 an der Wilson- High School in Kalifornien. Auf 300 Seiten wird die Kraft des Schreibens für eine kleine Gemeinschaft abgelehnter Jugendlicher dokumentiert. Indem die Kids ihre Erlebnisse im vermeintlich sicheren Amerika aufschreiben, lernen sie, ihre Mitschüler trotz kultureller Unterschiede zu respektieren, Toleranz zu zeigen und gegen Rassismus vorzugehen. Sie verstehen, dass die eigene Stimme eine mächtige Waffe ist und begreifen nicht zuletzt am Beispiel des deutschen Holocaust, wie wichtig es ist, diese zu gebrauchen und nicht stumm zuzusehen. Die junge, ambitionierte Lehrerin Erin Gruwell lehrt sie durch das Schreiben, den Wert des eigenen Lebens zu erkennen. Durch das Gefühl eine Familie zu sein lernen die Freedom Writers, für ihre Träume zu kämpfen und die Botschaft von der Gleichheit aller Menschen in die Welt hinauszutragen.

"Freedom Writers" ist ein Buch für alle, die an die Macht des Schreibens glauben. Die Erfahrungsberichte der Teenager schockieren, beängstigen und rühren, aber vor allem öffnen sie die Augen für die Geschehnisse um uns herum, für die noch immer bestehende Intoleranz, die vor allem Minderheitern entgegenschlägt. Die jungen Autoren, von denen jeder einzelne die High School- Abschlussprüfungen erfolgreich besteht, verweisen auf sich selber. Sie appellieren an die Möglichkeit, etwas zu verändern zu können, wenn man es nur will.

Freedom Writers
Deutsche Erstausgabe, Januar 2007
Autorenhaus Verlag, Berlin

 

Für "Freedom Writers" vergeben die Helden hervorragende vier Stracciatellafrösche von fünf.

 
(Rezension von Caro)

 

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