Über das Schreiben
Der Mythos vom Naturtalent (von Caro)
Er hält sich hartnäckig in unseren Köpfen: der Mythos vom Schreiberling, der zum allerersten Mal zum Stift greift und auf Anhieb einen Bestseller verfasst. Leider, könnte man sagen, denn er ist grundlegend daran beteiligt, dass sich viele Menschen gar nicht erst an einen eigenen Roman heranwagen. Der Gedanke, das Talent zum Erschaffen spannender, mitreißender Geschichten müsse in die Wiege gelegt sein und ließe sich nachträglich kaum mehr erwecken beziehungsweise fördern, ist in den Köpfen vieler Deutscher verankert.
Doch das ist falsch.
Unsere Freunde jenseits des großen Ozeans sind die besten Beispiele: das Angebot an Kursen zum Erlernen kreativen Schreibens nimmt in den Vereinigten Staaten von Jahr zu Jahr zu. An den Universitäten füllen sich die Hörsäle mit lernwilligen, hoffnungsvollen Nachwuchsautoren. Das Geschäft mit der Kreativität boomt, was nicht zuletzt die Vielzahl der Literaturagenturen in den USA beweist. Die Amerikaner sind uns insofern einen Schritt voraus, weil sie wissen, dass die Fähigkeit zu schreiben erlernbar ist.
"Wie das?", fragt ihr euch vermutlich, wenn ihr einmal mehr vor dem berüchtigten weißen Blatt Papier oder dem Bildschirm (ja, man muss mit der Zeit gehen...) sitzt und nicht wisst, wie ihr eure Ideen in Worte fassen könnt.
Neben einer ordentlichen Anzahl von Adressen, die sich auf Einrichtungen zur Schreibförderung in Deutschland beziehen (ja, der deutsche Literaturbetrieb hat es letztendlich doch noch gecheckt), bieten wir euch auf dieser Homepage Tips rund ums Schreiben- sowohl von den ersten Anfängen bis zu Problemen, die während des fortgeschrittenen Schreibens auftauchen können. Einen Hinweis jedoch wollen wir euch schon jetzt mit auf den Weg geben, in der Hoffnung, den Mythos des von Natur aus talentierten Schriftstellers abzuschwächen: Lest, Leute. Lest so viel ihr könnt und wagt euch dabei auch über die Grenzen eures Lieblings- Genres hinaus. Selbst Sachbücher sind beim Erlernen eines Gefühls für Sprache sehr hilfreich. Lest bewusst und achtet auf den Stil des jeweiligen Textes. Denn hinter jedem Satz steht eine Technik. Und die ist lernbar.
Zudem ist es hilfreich, nicht gleich auf ein monumentales Werk loszupreschen, sondern mit dem Schreiben von Kurzgeschichten oder auch Gedichten zu beginnen.
Zusammenfassend kann man sagen, dass das Schreiben dem Erlernen einer Fremdsprache gar nicht so unähnlich ist. Nur durch Lesen und Üben kann der eigene Wortschatz ausgebaut werden. Aber Dank der herrlichen Bücher (von denen eine stattliche Anzahl aus der Feder deutscher Autoren stammt), die sich auf dem Buchmarkt tummeln, dürfte das kein allzu hoher Preis sein...
In diesem Sinne: an die Stifte, fertig, los!
Der Autor ist selten ein unparteiischer Richter seiner eigenen Sachen.
Johann Wolfgang von Goethe, (1749 - 1832)
